Der Filmemacher Frieder Wagner gehörte zu den Lieblingen des deutschen Films. Als mehrfacher Grimmepreisträger und Träger der Europäischen Fernsehpreises war er wohlgelitten. Das hat sich schlagartig geändert. Heute gilt er als "schwierig", und Aufträge seines "Haussenders" WDR bleiben aus. Die Kehrwende zur Ächtung hängt zusammen mit seinem USA-kritischen Film "Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra", ...
der sich – offenkundig in diesem Land nicht gewollt und politisch unkorrekt – kritisch mit den mörderischen Folgen des inzwischen jahrzehntelangen Einsatzes abgereicherter Uranmunition als panzerbrechende Waffe durch die USA, Großbritannien und Israel seit dem Golfkrieg von Bush Senior von 1991 auseinandersetzt.
Und obwohl sein Film über DU (Depleted Uranium - Abgereichertes Uran) mit dem Europäischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde und nun als Kinofassung „Todesstaub“ vorliegt, traut sich hierzulande kein Verleih, den Film in die Kinos zu bringen.
Betroffen von der Uranmunition sind nicht nur Soldaten beider Seiten, sondern auch die durch das jahrelange Embargo geschwächte Zivilbevölkerung. Wissenschaftler fordern die Ächtung und das sofortige Verbot dieser Munition, die auch im Kosovo 1999 und zuletzt im Irakkrieg 2003 zum Einsatz kam und dort Hunderttausende Zivilisten wie Soldaten schädigte. Nato und Pentagon – aber auch die offiziellen Stellen in der BRD - leugnen bis heute diese Zusammenhänge.
Frieder Wagner hat, wie er sagt, im Irak einen "Blick in die Hölle" geworfen: "Ich habe in den Kinderkrankenhäusern von Bagdad und Basra Bilder des Schreckens gesehen, die mich heute noch in meinen Träumen verfolgen: gerade geborene Babys, ohne Augen, ohne Nase, ohne Kopf, ohne Arme und Beine. Babys, deren Organe in einem Sack außerhalb des Körpers angewachsen waren. Alle diese Babys starben nach wenigen Stunden oder Tagen. Auf einem Schlachtfeld in der Nähe von Basra, bei Abu Khassib, haben wir Panzerwracks aus dem letzten Golf-Krieg gefunden, da haben wir an den Einschußlöchern, die die Urangeschosse hinterlassen haben, eine Radioaktivität gemessen, die war über das 30.000-fache höher als die normale Umweltstrahlung in der Bundesrepublik. Auf diesen Panzern spielten Kinder, und in diesen Panzern versuchten irakische Männer und Väter sogenanntes Edel- oder Buntmetall auszubauen, um es zu verkaufen und so an etwas Geld zu kommen.!" Kein Wunder also: Am Mutter-Kind-Krankenhaus in Basra sind allein die Mißgeburten seit 1991 um das 20-fache gestiegen.
Viele Wissenschafter, die die Uranbelastung immer noch verharmlosen,
argumentieren immer wieder damit, daß das natürlich vorkommende Uran ja
noch sehr viel höher strahlt als das, was wir jetzt als abgereicherten
Uranstaub in der Umwelt messen. Der wesentliche Fakt aber für die
krankmachende Wirkung des abgereicherten Urans ist der Feinststaub, der
entsteht, wenn Geschosse ihr Ziel treffen und zu winzigsten
Uranoxid-Staubteilchen verbrennen, die lungengängig sind, und zwar so
winzig und lungengängig, daß sie bis in die Lungenbläschen aufgenommen
werden und dann in den Körper gelangen, wo sie ihre krankmachende
Wirkung entfalten.
Auch die Politik und die Medien verschweigen und vertuschen dieses
Thema. Offiziell – so bekommt man z. B. auf Anfrage an Bundespräsident
Köhler ebenso lapidar wie unverantwortlich beschieden – sei ein
Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Uranmunition und den massiv
gehäuft auftretenden Krebserkrankungen nicht nachgewiesen. Und im
übrigen setze die Bundeswehr DU-Munition ja gar nicht ein – eine
Position, die man erst dann wird räumen müssen, wenn die ersten aus den
Kampfgebieten Afghanistans kommenden, verstrahlten Bundeswehrsoldaten
nach Haus kommen, die dort dem Einsatz von Uranwaffen ihrer
amerikanischen „Bündnispartner“ ausgesetzt waren. Der "Todesstaub" wird
nämlich keinen Umweg um Bundeswehreinheiten machen.
Wagner klares Fazit: Es sollte alles getan werden, diese schrecklichen
Urangeschosse und diejenigen, die sie anwenden, zu ächten. Denn der
Einsatz dieser Waffe sei ein Kriegsverbrechen. Sie ist radioaktiv und
hochgiftig. Und Giftwaffen sind nach dem Kriegsrecht seit Jahrzehnten
verboten. Wenn der Einsatz der Uran-Munition aber ein Kriegsverbrechen
ist, dann gehörten ihre Anwender vor ein Kriegsverbrechertribunal.
"Verbrechen gegen die Menschlichkeit" seien seit dem Nürnberger
Prozessen 1946 ein Kriegsverbrechen und müßten abgeurteilt werden.
Nach der Podiumsdiskussion über den Uranwaffen-Einsatz im Irak
anläßlich der Irak-Konferenz 2008 in Berlin sprach Michael Vogt für
secret.TV "vor Ort" mit Filmemacher Frieder Wagner.
Mehr Informationen unter:
www.steinbergrecherche.comwww.zeit-fragen.chwww.aischtaler-filmtheater.dewww.fernsehworkshop.deHinweis:Der Film von Frieder Wagner "Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra" ist für einen Preis von 30 Euro erhältlich bei:
Frieder Wagner, Ochowa-Wagner-Produktion, E-Mail: ochowa-film@t-online.de
Aufgenommen am 09.03.2008 im Haus der Demokratie in Berlin
Länge: ca. 10 Minuten