Wer sich zum Beispiel bei den Abstimmungen zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr, der Einführung des Euros oder der Militarisierung durch den Vertrag von Lissabon seinem Gewissen verpflichtet fühlt, erfährt schnell was persönlicher Druck bedeuten kann. Henry Nitzsche, langjähriges CDU-Mitglied und CDU-MdB, hat den Druck auf "Abweichler" persönlich erlebt. Die CDU-Landesgruppe Sachsens im Bundestag beispielsweise führt regelmäßig Verhörspiele durch. Wer abweicht, wird in die Mangel genommen.
Der Widerspruch zwischen freiem Mandat und Fraktionsdisziplin wird bis zur Unkenntlichkeit des freien Gewissens pervertiert. Was bleibt, ist die Lenkung durch einige wenige Parteivordere. Für den Ex-DDR-Bürger und Bürgerrechtler das ernüchternde Fazit nach 20 Jahre im wiedervereinten Deutschland: "Erstaunlicherweise sind das weniger Personen als im Politbüro der DDR. Von so weit oben noch den Bürger zu sehen, gelingt nicht."